Nicht erst seit den letzten bekannt gewordenen rechtsextremen Gewaltübergriffen in
Kommunen des Landkreises sind die vorhandenen rechtsextremen Strukturen in unserer Region
bekannt. Allerdings wird für die Region zunehmend ein immer notwendigerer Handlungsbedarf
im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus deutlich. Im Landkreis
Mansfeld-Südharz sind wenigstens seit 1990 Personen und Strukturen der rechtsextremen
Szene aktiv. Es ist nachweisbar, dass sich die rechten Strukturen kontinuierlich entwickelt
haben und gegenwärtig weiter entwickeln. Aus einer losen Gruppierung gründete sich die
Kameradschaft "Ostara". Im März 2006 gründete sich in Sotterhausen, Landkreis Mansfeld-
Südharz, ein JN-Stützpunkt (Jugendorganisation der NPD). Der Leiter dieses JN-Stützpunktes
betreibt einen eigenen Verlag/Vertrieb von Musikproduktionen u. a. und organisiert
Veranstaltungen und Konzerte. Struktur und Personen werden vom Verfassungsschutz erwähnt.
Am 16.09.2006 gründete sich der Ring Nationaler Frauen (RNF) der NPD. Gründungsort war
ebenfalls Sotterhausen. In der Stadt Eisleben wurden innerhalb kurzer Zeit eine junge
Frau und ein junger Mann am Bahnhof körperlich misshandelt, mit offensichtlich
rassistischem Hintergrund. Als Reaktion auf die zunehmende Gewalt gründete sich
im Oktober 2006 mit Sitz in Eisleben, ein Bündnis gegen Gewalt, Extremismus und
Fremdenfeindlichkeit, welches jetzt mit mehreren Arbeitsgruppen unter dem Namen
"Bündnis für ein verantwortliches Miteinander" landkreisweit tätig ist.
NPD-Mitglieder proklamierten öffentlich auf der Gründungsveranstaltung, dass
"zukünftig massiver mit ihnen zu rechnen sei", wollten auf einer zweiten Veranstaltung
dem Bündnis sogar beitreten.
Am 6.Januar 2007 verübten bereits strafrechtlich auffällige junge Erwachsene einen
Brandanschlag auf eine Asylbewerberwohnung in Sangerhausen. Die Täter werden der
lokalen rechten Szene zugeordnet, verhaftet und wegen versuchten Totschlags und
Brandstiftung angeklagt.
Zu den Kommunalwahlen im April 2007 wurden zu den Kreistagswahlen zwei Mitglieder
der NPD gewählt und sind somit als eine Fraktion der NPD im Kreistag vertreten.
Die NPD veranstaltete im August 2007 ein Sommerfest in Sangerhausen, welches allerdings
aufgrund von guter Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und den vor Ort für
Vielfalt und Demokratie engagierten Institutionen an den Stadtrand verdrängt werden
konnte. Die Präsenz von rechtsorientierten Jugendlichen in den Jugendeinrichtungen,
sowie fremdenfeindliche und antisemitische Schmierereien und Äußerungen im Stadtbild
zeigen einen erhöhten Handlungsbedarf für Vielfalt sowie ein demokratisches und
tolerantes Miteinander im Landkreis Mansfeld-Südharz tätig zu werden und Alternativen
zu schaffen.
Analyse der vorhandenen Netzwerke, zivilgesellschaftlichen Initiativen und
weiteren, resultierend aus der Umsetzung vielfältiger Projekte und Maßnahmen
im Rahmen des Bundesprogramms "Vielfalt tut gut", der Arbeitsgruppen des
"Bündnisses für ein verantwortliches Miteinander" sowie diverser Träger der
Jugendhilfe im Landkreis lassen sich gegenwärtig folgende Erfahrungen und Beobachtungen
ableiten:
Die Bürger dieser Region sind bereit, sich zu engagieren, wenn ihnen eine angemessene
Plattform zum Handeln geboten wird. Vor allem Handeln steht die Einsicht zur Notwendigkeit -
eine wichtige Erfahrung, die ständiger Arbeitsinhalt des Lokalen Aktionsplanes sein sollte.
Es gibt für den Landkreis Mansfeld-Südharz ein Bürgerbündnis mit diversen aktiven
Arbeitsgruppen wie z.B. "Miteinander leben - Integration statt Konfrontation",
"Sport gegen Gewalt" sowie "Jugend und Schule". Das "Bündnis für ein verantwortliches
Miteinander" gründete sich aus einer Initiative gegen Gewalt, Extremismus und
Fremdenfeindlichkeit im Herbst 2006 in Eisleben. Inzwischen schlossen sich diesem
die Städte Hettstedt, Mansfeld, Sangerhausen, Kirchen und Schulen sowie die
Landesbühne Sachsen-Anhalt an. Nach einem Brandanschlag auf eine Asylbewerberwohnung
in Sangerhausen im Januar 2007 initiierte sich dort ein Aktionsbündnis,
welches sich zur konkreten Mitarbeit in den einzelnen Arbeitsgruppen dem
landkreisübergreifendem Bündnis anschloss. Im Juni 2002 gründete sich die
Initiative Menschen'S.Kinder als Netzwerkstelle für Toleranz und Demokratie in
Sangerhausen. Seit Juni 2004 besteht der Mit Bürger e.V. zur Förderung bürgerschaftlichen
Engagements. Der AWO Kreisverband e.V. unterhält einen Jugendmigrationsdienst.
Unterstützend steht seit 2005 in Sachsen Anhalt das Netzwerk für Toleranz und Demokratie
zu Seite, 2006 startete das Land die Kampagne "Hingucken". Die Pestalozzi-Schule
Sangerhausen erhielt im Dezember 2006 den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule ohne
Gewalt". Zudem gibt es im Landkreis einen Präventionskreis der u.a. zu Themen wie Gewalt,
Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus beriet. Die Polizei unterhält eine
Jugendberatungsstelle. Darüber hinaus existieren zu diesen Netzwerken die klassischen
Strukturen der Jugendarbeit, die sich neben Schulen, Kirchen und Verbänden unter dem
Motto "Vielfalt tut gut" engagieren. In einer Landschaft von unterschiedlichen Netzwerken
in einer gut funktionierenden Zusammenarbeit mit Verwaltungen und lokalen
Verantwortungsträgern bietet der LAP die Chance, diese vielfältigen Initiativen
als ein Ganzes zusammenzuführen.
Stärkung der demokratischen Bürgergesellschaft. Mit dem LAP werden
vielfältige Möglichkeiten geboten, sich für eine aktive und tolerante
Bürgergesellschaft im Landkreis zu engagieren und sich damit öffentlich
gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu positionieren.
Durch öffentlichkeitswirksame und fest in verschiedenen Strukturen verankerte
integrierte Projekte der Demokratie- und Toleranzförderung im Sinne von "Vielfalt tut gut"
soll sowohl die Bürgergesellschaft des Landkreises, als aber auch die Kooperation der
professionellen sozialen Strukturen im Landkreis gestärkt werden.
Im Umgang mit rechtsextremen Aktionen im Landkreis soll von einem Reagieren im "Ernstfall"
auf ein kontinuierliches Agieren unter dem Motto "Vielfalt tut gut" gelenkt werden.
An diversen Feier- und Gedenktagen, sowie geschichtlichen Daten sollen u.a. vielfältige
Aktionen und Projekte durchgeführt werden, um sich einerseits mitöffentlichen Ereignissen
auseinanderzusetzen und andererseits eine breite kulturelle Vielfalt weiter auszubauen
und erlebbar zu machen. Durch das Initiieren von diversen Aktionen und integrierten
Projekten für Vielfalt, Toleranz sowie ein demokratisches und respektvolles Miteinander
soll der Schwerpunkt darauf liegen, Möglichkeiten zu bieten, Alternativen zu rechtsextremen
Lebenswelten zu schaffen, sowie sich für Toleranz und Demokratie zu positionieren und
zu engagieren.
Neben regelmäßigen fachlichen Austauschtreffen mit thematischen Inputs sollen
Gesprächsrunden und Informationsveranstaltungen über Möglichkeiten des bürgerschaftlichen
Engagements durchgeführt werden.
Vorrangig sollen integrierte Projekte initiiert und gefördert werden, welche
die LAP-Ziele realisieren und gleichzeitig Kooperation und Vernetzung diverser
Vereine und Initiativen unterstützen sollen. Aber auch kleinere Projekte mit spontanen
Ideen und kurzfristigen Aktionen insbesondere von und für Jugendliche sowie andere
Zielgruppen sollen zur Realisierung der LAP-Ziele beitragen.
Für die Begleitung von geförderten Projekten in Form von Beratung und Betreuungsollen
Paten aus dem Begleitausschuss eingesetzt werden, um näher an den Projekten und deren
Umsetzung dran zu sein, einen Überblick über Inhalte zu erhalten sowie den Informationsfluss
und die Kommunikation zwischen Projektträgern, Koordinierungsstelle und Begleitausschuss
zu optimieren.
Außerdem sollen die Fristen der Antragstellung gebündelt werden auf 4 Termine im Jahr,
um eine Beratung der Träger, sowie die Beurteilung der Anträge durch den Begleitausschuss
und Anregungen aus dem Ämternetzwerk zu optimieren. Die Öffentlichkeitsarbeit der
Koordinierungsstelle mittels einer Website, sowie die Zusammenarbeit mit der Pressestelle
des Landkreises und der lokalen Presse müssen verbessert bzw. intensiviert werden.
Die Erreichung von Kindern- und Jugendlichen als eine der Hauptzielgruppen soll verstärkt
durch die Förderung der Zusammenarbeit mit Schulen, Kindertagesstätten sowie Jugendzentren
und außerschulische Bildungseinrichtungen geschehen.
Zur Erreichung der Ziele des LAP sollen auch im kommenden Jahr in Form einer integrierten
Maßnahme wieder Aktionen zu diversen Feier- und Gedenktagen sowie bundesweiten Initiativen
wie z.B. die Interkulturelle Woche, Weltfriedenstag, Friedensdekade oder Tag der
Menschenrechte stattfinden. In Form von Ausstellungen, kulturellen Aktionen, Familientagen,
Jugendkonzerten, Sportveranstaltungen und Gesprächsrunden sollen die LAP- Zielgruppen
beteiligt werden. Gezielt sollen auch kleine Kommunen "belebt" werden bzw. Bildungsangebote
in Strukturen ländlicher Regionen etabliert werden.
In diesem Jahr begonnene Projekte wie Interkulturelle Bildungs- und Begegnungsprojekte
in Kindertageseinrichtungen und Schulen sowie Fortbildungen von Pädagogen und Multiplikatoren
sollen qualitativ weiterentwickelt werden. Sensibilisierungs- und Fortbildungsmaßnahmen
sind z.B. auf Ebene des Kreistags, in kommunalen Strukturen und anderen notwendig.
Auf Projekte der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus, die
dieses Jahr begannen, sollen aufgebaut werden bzw. vertiefend weitergearbeitet werden,
um eine Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung zu fördern sowie Formen des Erinnerns
und Gedenkens zu entwickeln. Weitere angedachte Projekte, die zur Vernetzung von AkteurInnen,
der Erlebbarkeit von kultureller Vielfalt sowie zu einem demokratischen und toleranten
Miteinanderbeitragen, sind:
Beide Geschlechter, Frauen und Männer mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund,
Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden in den Projekten angesprochen. Es werden
Lösungswege und Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Frauen und/oder Männern,
von Menschen mit Migrationshintergrund und älteren Mitmenschen aufgezeigt und durchgesetzt.
Chancengleichheit und Gleichbehandlung ermöglichen ein faires gemeinsames Arbeiten.
Führungskräfte erklären ihre Bereitschaft, Verantwortung für die Umsetzung einer
Organisations- bzw. Unternehmenskultur zu übernehmen, die von gleichen Chancen,
Respekt und Offenheit geprägt ist.
Bei der Umsetzung der Projekte leiten die verantwortlichen Personen der Projektträger
und die Organisatoren der Einzelprojekte nach innen, in ihre Organisation und im
Verhältnis zu ihren Kunden oder BürgerInnen einen Veränderungsprozess ein.
Es wird ermöglicht, die eigene Geschlechterrolle und kulturelle Sichtweise kritisch zu
reflektieren mit dem Ziel, für Stereotype im Geschlechterverhältnis und kulturelle Vielfalt
zu sensibilisieren, sowie das eigene Verhaltensrepertoire zu erweitern.
In den Projekten wird jede teilnehmende Person von den anderen Beteiligten als
Individuum akzeptiert und respektiert. Alle TeilnehmerInnen haben die Möglichkeit,
seine / ihre Fragen und Ideen in das jeweilige Projekt einzubringen. Die Gestaltung
der Projekte ermöglicht eine Verständigung über unterschiedliche Sichtweisen.
Alle Beteiligten - unabhängig von ihrem Geschlecht - haben die gleichen Chancen,
sich an den Projekten zu beteiligen. Unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse
von Frauen und Männern werden in Inhalt und Gestaltung der Projekte berücksichtigt.
Der gemeinsame Prozess der Zusammenarbeit hat eine "Gestalt". Das bedeutet, dass
alle Arbeitsphasen miteinander zusammen hängen und die Veranstaltung einen gemeinsamen
Anfang und ein gemeinsames Ende hat. Überlegungen zum Transfer der bearbeiteten
Fragestellungen in die Alltagspraxis der Beteiligten sind Bestandteil der Projekte.
Die gemeinsame Reflexion über Prozesse im Ablauf der Projekte und die gemeinsame
Auswertung / Evaluation der Projekte ist Bestandteil des Projektablaufs.
Gemeinschaft der Menschen des Landkreises Mansfeld- Südharz
Mit dem Ziel, durch Umsetzung des Aktionsplanes insbesondere in den öffentlichen
Raum hinein zu wirken, kommt der Öffentlichkeitsarbeit und damit der Kommunikation
eine besondere Bedeutung zu. In der Gestaltung der Öffentlichkeitsarbeit formuliert
sich für den Antragsteller folgender Anspruch: Mit einer "einheitlichen"
Öffentlichkeitsarbeit wird der Gesamtheit und Bedeutung des Aktionsplanes entsprochen.
Dazu muss eine enge Zusammenarbeit zwischen der lokalen Koordinierungsstelle, der
Pressestelle der Kreisverwaltung Mansfeld-Südharz und den Einzelprojekten sowie der
lokalen Presse bestehen. Die Umsetzung des LAP wird von freien Journalisten begleitet,
die kontinuierlich über die Arbeit der Koordinierungsstelle und der einzelnen Projekte
informiert sind und diese begleiten. Die Formen der externen Kommunikation müssen sich
an den Zielgruppen, den zu kommunizierenden Botschaften, den Maßnahmen, dem Zeit- und
Finanzbudget orientieren. Ihr stehen dafür die klassischen Kommunikationsmittel und -wege
zur Verfügung. Den Projektträgern wird Raum für individuell entwickelte
Kommunikationsmaßnahmen gelassen.
Die Mitglieder des Begleitausschusses wurden im Zuge der Kreisgebietsreform Landkreis
Mansfeld-Südharz (ehemals LK Sangerhausen und LK Mansfelder-Land) der neuen Struktur
angepasst. Für die Moderation der Sitzungen des Begleitausschusses, sowie mit beratender
Stimme sind die MitarbeiterInnen der Koordinierungsstelle beteiligt.
Das Auswahlverfahren zur Förderentscheidung zu den Einzelprojekten ist in der
Geschäftsordnung des Begleitausschusses geregelt. Projekte können von AkteurInnen
fristgerecht (Fristen: www.vhs-sgh.de) in der Koordinierungsstelle eingereicht werden.
Sie werden dort gesichtet. Mit den Antragstellern werden Beratungsgespräche durch die
Koordinierungsstelle geführt (wenn möglich schon vor der Antragstellung).
Dem Begleitausschuss werden mindestens 2 Wochen vor der Begleitausschusssitzung
die Antragsunterlagen mit einer inhaltlichen Einschätzung seitens der Koordinierungsstelle
zur Verfügung gestellt. Die Antragssteller haben in der Begleitausschusssitzung die
Möglichkeit, ihr Projekt kurz vorzustellen und eventuelle Fragen der Mitglieder des
Begleitausschusses bezüglich ihres Projektes zu beantworten. In der Begleitausschusssitzung
wird gemäß der Geschäftsordnung entschieden.
Schrittweise werden zukünftig Kinder und Jugendliche in die Umsetzung und Fortentwicklung
des LAP einbezogen.
Jugendamt
Sozialamt
Agentur für Arbeit
ARGE
Wirtschaftsförderung
Gesundheitsamt
Schulamt
Polizei
Es erfolgt durch das Ämternetzwerk eine aktive Einbeziehung des LAP in die
Jugendhilfe/Sozialraumplanung des Landkreises Mansfeld-Südharz.
Landkreis Mansfeld-Südharz
Projektsumme 2010: bis zu 110.000 €
daraus,
max. Förderung eines Einzelprojektes 20.000 €
(bei Bewilligung durch den Begleitausschuss)
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